GESCHICHTE

Alle griechisch-orthodoxen Kirchen in der Schweiz gehören der Metropolie (Bistum) der Schweiz an. Deren Metropolit und ex officio Präsident der bischöflichen Versammlung aller griechisch-orthodoxen Kirchen in der Schweiz ist gegenwärtig Jeremias Kalligiorgis. Die griechisch-orthodoxe Metropolie der Schweiz ist – neben anderen Bistümern inner- und ausserhalb Griechenlands – dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt. Dieses hat innerhalb der Gesamtorthodoxie eine führende Stellung, einen Ehrenprimat, inne. Seit 1991 ist Bartholomaios Archontonis Ökumenischer Patriarch. Im Jahr 2002 hat er auch in Münchenstein den Grundstein dieser Kirche gelegt und sie somit zum geistlichen Zentrum der griechisch-orthodoxen Kirche in der Nordwestschweiz ernannt.Anfänglich bildete die Nordwestschweiz eine einzige Pfarrgemeinde. An den Wochenenden kam ein Priester vom Orthodoxen Zentrum des Ökumenischen Patriarchats in Chambésy-Genf nach Olten und Basel, um dort die hl. Liturgie für die Orthodoxen der Region zu feiern. Über drei Jahrzehnte lang war die Gemeinde in der Basler St.-Alban Kirche zu Gast, ebenso wie die serbisch-orthodoxe Gemeinde. Die ersten Ideen für den Bau einer eigenen Kirche kamen Ende der 80er Jahre auf. Nach mehrjähriger Suche im Raum Basel fand sich die Gemeinde Münchenstein 1999 bereit, das Grundstück an der Gladiolenstrasse zu verkaufen.

Die gesamte Fläche des Grundstücks beträgt ca. 1000m² und die Gebäudehöhe 14m. Die Grundsteinlegung fand am 19. Januar 2002 statt und nach zehnmonatiger Bauzeit wurde die Kirche am 12. Oktober 2002 eingeweiht. Die Gesamtkosten, deren grössten Teil – fast 9/10 der Summe – die Familie des inzwischen verstorbenen Bankiers Achilleas Kominos spendete, wurden auf 5.5 Millionen Schweizer Franken berechnet. Zur organisatorischen Umsetzung der Idee des Baues dieser Kirche trugen hauptsächlich Seine Eminenz Bischof von Lampsakos Makarios Paulidis und die Psychiaterin Dr. Soumela Terzani bei.

Gleich hinter der Tramlinie und dem Verkehrskreisel der Baselstrasse zeigt sich ein Gebäude, das leicht als Kirche zu erkennen ist: ein Turm, durch dessen Rundbogenöffnungen Glocken zu sehen sind und der ein Kreuz trägt; ein Hauptbau mit Kuppel, fast so hoch wie der Turm und ebenfalls vom einem Kreuz gekrönt; ein Arkadenvorbau am Eingang; der schmiedeeiserne Zaun mit wiederkehrendem Christusmonogramm grenzt das Grundstück dem Trottoir entlang vom Verkehr des Kreisels und der Quartierstrasse ab. Beim Umrunden des Gebäudes zeigt sich nicht nur, dass die Kirche am Rand eines Wohnquartiers liegt und ein Wohntrakt für den Pfarrer angebaut ist. Zu erkennen ist auch, dass der Grundriss ein Kreuz bildet – zusammen mit der Kuppel ein starker Hinweis auf die orthodoxe Tradition.

Bezüglich des Inneren der Kirche ist noch Folgendes zu bemerken:

  • Die aus Eichenholz geschnitzte Ikonostase wurde in Athen von Hand angefertigt und nach siebenmonatiger Arbeit im Jahre 2003 fertiggestellt.
  • Die Wandbilder, die immer ein bestimmtes Thema aus der überlieferten orthodoxen Tradition haben, wurden von einem griechischen Kloster in Megara zuerst auf Stoff gemalt und dann an den dafür bestimmten Stellen angebracht.
  • Zu den in Griechenland hergestellten Ausstattungsstücken gehören der Kranzleuchter, der handgeschnitzte Bischofsstuhl, die Kanzel, die Wandstühle, die übrigen Stühle, die silbernen Öllämpchen, die Kerzenbank und der Kerzenstand mit integriertem Rauchabzug sowie sämtliche liturgische Geräte, die im Altarraum aufgestellt sind.
  • Der Doppeladler auf dem Marmorfussboden symbolisierte einst die Macht des Kaisers und die des Patriarchen.
  • Die Kuppel ist der orthodoxen Tradition entsprechend mit der Darstellung des von Engeln umgebenen Weltherrschers Christus Pantokrator in Halbfigur versehen. Seine Rechte ist zum Segensgestus erhoben, während Εr in seiner linken Hand die Bibel hält, die nach orthodoxem Verständnis die frohe Botschaft des Evangeliums und die daraus abzuleitenden und zu befolgenden Gebote symbolisiert. Auch sind alttestamentliche Propheten sowie die Evangelisten abgebildet. Erstere verkündeten die Ankunft des Heilands, die Evangelisten machten Sein Heilswerk bekannt. Somit wird auch die Einheit der beiden Testamente betont.
  • In der calotte (Kugelkappe) der Apsis im Altarraum ist die thronende Muttergottes mit Kind – bezeichnet als die Platytera – abgebildet, begleitet von Engeln. Die aus der Tradition angebrachte Darstellung der Maria soll ihre über Jesus als Retter der Welt gewährleistete Vermittlerrolle zwischen Gott und den Menschen verdeutlichen, aber auch die Stellung der Frau in der orthodoxen Kirche betonen. Dies wird auch mit der Abbildung der Verkündigung Mariae über der Apsis betont, die im nächsten Jahr, zusammen mit anderen Themen aus der göttlichen Oikonomie, vollendet sein soll.

Schliesslich befinden sich im Gemeindesaal im Untergeschoss der Kirche verschiedene Mosaike des verstorbenen Luzerner Künstlers Fred de Roy (1911-1995).

Baulich gesehen passt sich die Kirche der Weisheit Gottes zwei Richtungen an: mit ihrem kreuzförmigen Grundriss und der Kuppel entspricht sie einerseits der orthodoxen Tradition. So bietet sie den Gemeindemitgliedern ein Stück Heimat. Anderseits unterscheidet sich das Gebäude auf den ersten Blick nicht besonders von vielen römisch-katholischen oder reformierten Kirchen in der Schweiz. Und gewiss wurden mit ihrer Errichtung sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart der griechischen Gemeinde in Basel zusammengeführt.